Michaela Schulze Wehninck
geboren in Dingden jetzt Hamminkeln (Germany)
2001-2003 UAL Foundation Diploma in Art and Design at City Lit, London
validated by the University of the Arts, London
2003-2007 Freie Akademie der bildenden Künste (fadbk, jetzt HBK), Essen
Schwerpunkt Malerei, Grafik und interdisziplinäre Arbeit
bei Stephan Paul Schneider (Malerei), Thomas Ruch (Grafik), Danica Dakić (Interdisziplinäre Arbeit), Nicola Schrudde (Interdisziplinäre Arbeit) und Karl Neuffer
2007 Meisterschülerin bei Stephan Paul Schneider
Seit 2024 Ausstellungsprojekt mit Manuela Stein inside___outland
Ausstellungen
Einzelausstellungen
2024 TIME AND REFLECTION , Edith-Stein-Haus, Neuss
2023 PARALLEL ZUM ZEUGHAUSKONZERT "Brecht im Spiegel" , Zeughaus, Neuss
2007 Lucy in the sky, Volksbank in Bocholt
2007 Fairyland, Examenspräsentation, Galerie KU28, Essen
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2026 Landesgartenschau Neuss 2026, Kunstausstellung im Alten Hengststall
2025 INSIDE - OUTLAND, Ausstellungsprojekt mit Manuela Stein, Kunstraum Neuss
2022 75. Jahresausstellung KUNST AUS NEUSS , Kulturforum Alte Post , Neuss
2021 73./74. Jahrresausstellung KUNST AUS NEUSS, Kulturforum Alte Post, Neuss
2018 71. Jahresausstellung KUNST AUS NEUSS, Kulturforum Alte Post, Neuss
2018 49. AUSSTELLUNGSPROJEKT, Kunstverein projektraum-bahnhof25.de, Kleve
2016 MEIN WILDES HEIM , Städtischer Kunstverein - Euregio, Kunsthaus Bocholt
2016 MEIN WILDES HEIM - Sonderedition ROT, Frauenmuseum Bonn
2015 LOST - Wundertüte , Galerie Obrist, Essen
2015 DAS LEBEN IST EINE KARTOFFEL, Kunstverein - projektraum-bahnhof 25.de, Kleve
2015 NIEMANDSLAND , KreisKleverKulturTage im Wasserturm Geldern
2015 MEIN WILDES HEIM – ArToll Kunstlabor, Arbeitsaufenthalt & Ausstellung, Bedburg Hau
2013 WILD AT HEART - Wundertüte, Galerie Obrist, Essen
2012 INSIDE OUT - Wundertüte, Galerie Obrist, Essen
2012 TO MAKE A MISTAKE PERFEKT , pilot projekt für kunst e.V., Düsseldorf
2011 DIE FARBE WEISS, Galerei Obrist, Sachtleben Chemie Duisburg
2010 DONATED LIGHT , im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms, Hammerkopfturm, Castrop-Rauxel
2010 FREMDES TERRAIN – Wundertüte, Galerie Obrist, Essen
2010 VIDEO-LOUNGE II, Galerieschaufenster, Osnabrück
2010 VIDEO-LOUNGE I , Hafenkult, Duisburg
2009 297 x 420 - ALLES IM Maß, Galerie KU28, Essen
2009 KRAFTZENTRALE , Düsseldorf
2009 BOMBE, plan.d. - 10 Jahre - der Kunstpreis, produzentengalerie Düsseldorf
2009 DAS FEST, Galerie Obrist, Essen
2008 4. AUSSTELLUNGSPROJEKT, Kunstverein projektraum-bahnhof25.de, Kleve
2008 PLEASE, DISCREATE ME!, Rauminstallation in der ELBA Kulturfabrik - NRW-Tag, Wuppertal
2008 BROTZEIT I , Galerie in der Backstube, Solingen
2006 KUNSTSPUR , Atelierausstellung in der fadbk, Essen
2006 UNVERBLÜMT , Städtischer Kunstverein - Euregio, Kunsthaus Bocholt
2006 ONE DAY STORY , Ausstellung der Klasse Danica Dakic in den Rheinischen Kliniken, Düren
2004 PROBEVERBINDUNGEN-UNTERWEGS , Kunstprojekt mit der aki Enschede und
Kunstakademie Posen. anschließende Ausstellung in Coesfeld
2004 8 PLUS 1, Ausstellung der Klasse Piotr Sonnewend in der Hansaeventhalle, Köln
Publikationen
2016 WORK AND WOMAN, Meilensteine der Frauenarbeit in NRW, Frauenmuseum Kunst, Kultur, Forschung e.V.
2016 MEIN WILDES HEIM - Sonderedition ROT, Interaktives Kunstprojekt im Frauenmuseum Bonn, Katalog zur Ausstellung
2011 DIE FARBE WEISS, Galerei Obrist - Katalog zur Ausstellung
2009 297 x 420 - ALLES IM Maß, Katalog zur Ausstellung
2009 KRAFTZENTRALE, Katalog zur Ausstellung
2008 PLEASE, DISCREATE ME!, Katalog zur Ausstellung
2008 BROTZEIT I, Katalog zur Ausstellung
2007 FAIRYLAND, Katalog zur Examenspräsentation,
2006 ONE DAY STORY, Dokumentationen One day story
Arbeitsweise
Die Grundlage meiner Arbeiten sind Fotos. Diese nutzte ich für umfassende Vorarbeiten und Studien. Die Vorlagen dienen mir zum einen, ein traditionell geschaffenes Kunstwerk mit Pinsel und Leinwand herzustellen. Zum anderen entstehen aus diesen Studien ganz eigenständige Kompositionen, die ich auf unterschiedliche Weise visuell kommuniziere.
Mein Fokus liegt dabei nicht auf eine möglichst genaue Erfassung und Darstellung der Wirklichkeit. Vielmehr geht es mir um die Wahrnehmung und Darstellung der eigenen Ideen. So öffne ich dem Publikum ganz persönliche "Sichtfenster", die einen privaten Blick auf die Dinge zulassen.
Meine Arbeiten sind geplant und entstehen zu allererst im Kopf. Danach ist es mir ein Bedürfnis, intuitiv Entscheidungen zu treffen. Wie in einem „Evolutionslabor“ entstehen Dinge, es wird reflektiert, verworfen und neu entworfen. Alles ist im Fluss und entwickelt sich ständig weiter. Dabei spiele ich mit der Art und Weise, wie die Farbe auf die Bildoberfläche auftragen wird. In Sekundenschnelle entscheide ich mich zwischen kontrollierten und freien Werkspuren. Der Pinselduktus hinterlässt dabei gezielt seine Spuren. Dieser Prozess dauert so lange an, bis sich für mich ein gewisses Gefühl einstellt. Aus dem "äußeren" Motiv entsteht eine "innere" Idee, eine Stimmung. Die reduzierte Farbgebung unterstützt meine Suche nach der Essenz einer Arbeit.
Aus: Eröffnungsrede von Michaela Kuhlendahl, Theologin und Bildende Künstlerin, Kunstraum Neuss, 2025
Lassen Sie uns einige Arbeiten genauer ansehen, ich beginne mit der Malerei von Michaela Schulze Whninck:
Das erste, das mir auffällt, ist das Geheimnisvolle und die sich ausbreitende Fremdheit in vielen Bildern. Das Bild "Granny Island" z.B. zeigt eine Häuserreihe vor einem stillen See mit einer dahinterliegenden Bergkulisse. Eine eigenartige Spannung liegt in der Luft, so als würde sich in der stillen Landschaft gleich etwas Unerwartetes ereignen, flirrende Polarlichter vielleicht, ein Schwarm von Zugvögeln oder auch die Landung eines plötzlich auftauchenden Ufos ist vorstellbar. Das unwirkliche, etwas giftige Leuchten des Wassers und der diffuse Himmel im Hintergrund - beides ist real und zureal zugleich.
Einige Bilder von Michaela Schulze Wehninck zeigen stille Protagonisten, ein Reh, eine Figur im Raumanzug aber auch Objekte wie ein einsames Boot am Rand des Sees. Egal, ob es ein Lebewesen oder ein Objekt ist, jedes Mal wirkt es wie ein Porträt in einer Landschaft. Die Lebewesen und Objekte strahlen Stille und Fremdheit aus. Ein scheues Reh steht im Hintergrund, es schaut den Betrachter an und entzieht sich auf eigenartiger Weise dessen Blick, verharrt geschützt hinter ätherisch-transparenten Baumstämmen.
Die Figur im Raumanzug im Bild "Dawn" wirkt, als wäre sie vergessen worden, zurückgelassen in einer dystopischen Landschaft. Landschaft und Figur sind einander fremd zugleich in einer Art Zwangsgemeinschaft, so als müßte man nun miteinander zurechtkommen, eine gemeinsame Lebensgrundlage finden.
Die Landschaft als Träger von Emotionen oder als Porträt einer Befindlichkeit erinnert mich zuerst an die Bilder von Caspar David Friedrich. Auch wenn dies sicher nicht beabsichtigt ist, könnte man eine Nähe zu seinen einsamen Figuren in einer erzählenden Landschaft entdecken. Die bekannten Bilder der Wanderer im Nebelmeer, die Kreidefelsen auf Rügen, auch sie werden zu Trägern von Innenwelten, erlauben die indirekte Darstellung einer Gefühlswelt. Der große Unterschied ist, dass Caspar David Friedrich den Betrachter immer in die Perspektive seiner Figuren zieht. Wir schauen mit den dargestellten Personen in die Landschaft, werden zu Verbündeten des Künstlers,
Ganz anders bei Michaela Schulze Wehninck: Hier werden Menschen, Tiere und Objekte frontal angeschaut, sie sind Gegenüber und strahlen zugleich Verletzlichkeit aus, sie sind sichtbar, entziehen sich zugleich dem Betrachter und weisen ihn, für mein Empfingen, auch ein Stück zurück. Eine Grenze wird gezogen
.
Ein weiterer Künstler, der mir in den Sinn kam, war William Turner, welcher in seinen späten Bildern immer mehr den Zustand einer sich auflösenden Landschaft malerisch darstellt, die Grenzen zwischen Himmel, Wasser und Erde werden aufgehoben.
In den Bildern "Hiker" und "Pilgrim line" entdecke ich ähnliches, da fließen Himmel und Festland ineinander, verändert sich die erwartete Stofflichkeit von Festem und Ätherischem. Ich möchte es eigentlich gar nicht deuten, aber wenn ich es doch tue erzeugt es in meinem inneren Resonazraum am ehesten die Vorstellung einer spirituellen Entgrenzung.
Eine letzte Assoziation: Das Dystopische und Surrelae leuchtet in vielen Bildern Michaela Schulze Wehnincks auf, oft diffus und zurückhaltend, mal überbordernd. Die Bilder "outlook" oder "Boot am Ufer" könnten auch ohne Umwege dem Kosmos David Lynchs entsprungen sein, irgenwo zwischen Twin peaks und Mulholland drive.
"A View"
Landschaften sind das wesentliche Element in den Arbeiten von Michaela Schulze Wehninck. Sie ist fasziniert von der Natur und sagt selbst, dass sie „Blicke und Aussichten in ihrem inneren Kosmos sammelt“.
Michaela Schulze Wehninck geht von einer Sinneswahrnehmung aus, die sie fotografisch festhält. Beim Malen vereinfacht und maskiert sie die Lesbarkeit der ursprünglichen Vorlage. Ihre Absicht ist es nicht, die Realität zu beschreiben. Vielmehr beeinflussen Erinnerungen an besuchte Orte und Gegenden ihre Arbeiten. So erschafft sie Suggestionen und imaginäre Landschaften, die unwirklich und fremd erscheinen, aber beim Betrachter Assoziationen hervorrufen. Durch eine nüchterne Farbpalette reduziert sie ihre Landschaftsmalerei auf das Wesentliche. Das Erkunden von Grenzgebieten zwischen Erkennbarem und Abwesendem ist ihr ein wichtiges Thema.
Michaela Schulze Wehninck studierte Malerei an der fadbk / Hochschule der Bildenden Künste/ Essen (Germany) bei Stephan Paul Schneider sowie interdisziplinäre Arbeiten bei Danica Dakic´, Nicola Schrudde
01/2024
(1)Textauszug vom September 2011 aus dem Ausstellungkatalog "Die Farbe Weiß 11 Kunstpositionen" der SACHTLEBEN Chemie in Duisburg in Kooperation mit Galerie Obrist , Essen, Thorsten Oberist
Szenen aus Träumen, Erinnerungen und der Gegenwart treffen in den Arbeiten von Michaela Schulze Wehninck aufeinander. In vielen Fällen ist der Ausgangspunkt ein Foto oder ein Andenken aus ihrer persönlichen Geschichte: Dinge, die ein Geheimnis aufbewahren.
Ein Hochzeitskleid, ganz aus Cellophan und Gummischläuchen gebildet, hängt strahlend im Raum. Der Titel der Arbeit „Verpuppung“ ist zweideutig. Im bekannten Sinne ist es das Stadium des Insekten, in dem dieses sich etwas neues verwandelt, gleich wie im Brautkleid das Mädchen zur Ehefrau wird. Dieser wörtlichen Lesart gesellt sich aber noch eine ironische hinzu, denn „Verpuppung“ bedeutet auch, dass etwas zu einer Puppe, einem Spielzeug gemacht wird. Bizarr steht diese Objekt im Raum, das Feierliche der Präsentation steh im Widerspruch zur Ärmlichkeit des Materials, das emotionale Berührende zur nüchternen Kühle des leeren Gewandes.
Das Märchenhafte und Mysteriöse findet sich in einigen Arbeiten der Künstlerin, unterstützt durch eine reduzierte Farbgebung, mit der die Unwirklichkeit, die scheinbare Abstammung aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt, noch deutlicher hervortritt.
(2)Auszug aus dem Einführungstext zur Ausstellung ‚Das Fest’ Galerie Obrist Essen 2009
von Dr. Angela Weber (Wiss. Mitarbeiterin HHU Düsseldorf Germanistik)
Die großformatigen Landschaften von Michaela Schulze Wehninck bestechen in Farbgebung und Komposition durch ihre formale Strenge und Klarheit. Die ins Abstrakte weisenden, zugleich märchenhaft anmutenden ‚Seelenlandschaften’ vermitteln den Eindruck der Ruhe, einer unerhörten Stille, in der die Orte der Kindheit und des Traums dem Betrachter als unausgesprochenes Geheimnis seiner eigenen Existenz gegenübertreten.
Am Anfang des malerischen Prozesses an einem neuen Bild steht zunächst das Erinnerungsbild. Diese fotographischen Vorlagen stammen meist aus dem persönlichen Fotoalbum der Malerin. Es sind Bilder, die ein Geheimnis aufbewahren, eine Erinnerung wecken oder eine Geschichte erzählen. Hierin liegt für Schulze Wehninck die Inspiration für das gemalte Bild, das in seinen atmosphärischen Verdichtungen etwas Dazwischen zum Klingen bringen soll. Zur Darstellung gebracht wird die Ambivalenz des menschlichen Daseins. Unmittelbar spürbar wird dies für den Betrachter beispielsweise in dem großformatigen Tafelbild im Eingangsraum, das sich durch eine bewusst zurückgenommene Farbgebung auszeichnet. So lässt sich der Hirsch inmitten des großen verscheiten Waldes ebenso als eine Szene der Geborgenheit als auch – mit Blick auf den Jäger - als Bedrohung deuten. Mit der Darstellung des Waldes spielt die Malerin überdies auf das Genre des Märchens an und öffnet ihre Bilder für ein beziehungsreiches Spiel mit den Assoziationen des Betrachters.
(3)Auszug aus dem Einführungstext zur Ausstellung "Lucy in the sky" 2007
von Michaela Kuhlendahl, Theologin und Bildende Künstlerin
Aber richtig begriffen habe ich meine Faszination erst vor kurzem als mir ein Zitat von dem Leipziger Maler Arno Rink auffiel. Er sagte, selbst wiederum im Rückblick auf seine eigene Studienzeit, folgendes:
"In der Malerei ging es mir zunächst um das Organisieren von Bildern, an denen auch der Betrachter seinen Spaß haben sollte. Seit jeher war ich ein guter Bildorganisator mit Hang zur Komposition. Was mir damals aber noch fehlte war der sinnliche Umgang mit Malerei, mit Oberfläche wie mit Bildhaut...."*1
Rink beschreibt etwas, das einerseit und unbedingt zu guter Malerei dazu gehören sollte und doch zugleich ungeheuer schwer sein kann:
Die Farben und den Farbauftrag sinnlich zu vollziehen, die Oberfläche, oder wie er so treffend sagt, die Bildhaut eben wie eine solche zu behandeln, wie Haut - sinnlich.
Die atmende, spuren-hinterlassende und manchmal tänzerische Strichführung in Michaela Schulze Wehnincks Bilder sind meiner Meinung nach etwas, das dieser "sinnlichen Bildhaut" entspricht. Hier sind die Pinselstriche nicht nur zur Anordnung von Farbe oder zur Übersetzung einer Vorlage plaziert, sondern vielmehr speichern sie einen großen Reichtum an Empfindung."
*1Kunstforum Bd.176 zur "Leipziger Schule", S. 179